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2. Anfrage an die Berliner Beauftragte für Datenschutz zum Thema Kompetenzanalyse

Anfrage an die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit
Berlin, 22. Juli 2016


 

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider konnte ich Sie in den letzten Tagen telefonisch nicht erreichen. Ich möchte Sie aber gern über einige neue Informationen unterrichten, die mir bisher nicht vorgelegen haben, auf die mich aber Eltern anderer Schulen aufmerksam gemacht haben.

Kompetenzanalyse und Kompetenzfeststellungsverfahren

Im Gegensatz zu einigen Bildungsträgern, die mir bisher bekannt geworden sind, scheint es durchaus einige Träger zu geben, die auf „zertifizierte“ Verfahren zurückgreifen. Laut des Leitfadens zur Kooperation von Bildungsträgern und Schulen des Berufsorientierungsprogramms ist folgendes festgehalten:

„Um nachhaltige Wirkungen zu erzielen, ist die Weiterarbeit mit den Ergebnissen aus dem BOP in der Schule (z.B. im Rahmen der individuellen Förderung) und weiteren sich anschließenden BO-Maßnahmen sichergestellt. Träger und Schulen übernehmen gemeinsam Verantwortung zum Aufbau der dafür erforderlichen Netzwerkstrukturen. Die Träger informieren über das BOP und die Nutzungsmöglichkeiten der Ergebnisse. Die Schulen greifen die Ergebnisse und Erfahrungen auf und koordinieren die Maßnahmen im Anschluss.“ Quelle: Leitfaden zur Kooperation von  Berufsbildungsstätten und Schulen im  Berufsorientierungsprogramm, S.9, Hrsg. Bundesinstitut für Berufsbildung – BIBB)

Als Verfahren der Potenzial-/Kompetenzanalyse werden auf der Seite berufsorientierungsprogramm.de einige Verfahren genannt, die auch in Berlin Verwendung finden.

Der CJD Berlin-Brandenburg e.V. (Ansprechpartner für den Bezirk Berlin Mitte) verwendet z.B. das Assessment-Center-Verfahren ProfilAC© (Kompetenzanalyse Profil AC) der Firma MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH, bei dem die Anwender mit Hilfe einer Software, Rahmenbedingungen und Teilnehmergruppen aus verschiedenen Beobachtungsaufgaben, Tests und Fragebögen ein Assessment-Center zusammenstellen. Jeder Teilnehmer erhält dann ein individuellesKompetenzprofil. Ein Musterprofil würde dann folgendermaßen aussehen: Musterprofil.
Die SBH Nord GmbH (Ansprechpartner für den Bezirk Treptow-Köpenick) verwendet die computerbasierte ABC-Messung (ABC-Analyse?).

Die GFBM gGmbH (Ansprechpartner für die Bezirke Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg) verwendet das selbst entwickelte Instrument P.E.A.Ce (Potential-Ermittlungs-Assessment-Center?).

Eltern, die ich bisher gesprochen habe, konnten keine näheren Auskünfte über die Verfahren und ihre Durchführung machen. Eine wichtige Frage, die sich viele Eltern gestellt haben ist, inwieweit werden die Assessment-Center-Ergebnisse für wissenschaftliche oder kommerzielle Zwecke verwendet (wissenschaftliche Ergebnisse und Begleitung sind vermutlich auch Auftrag der Erhebungen und werden honoriert). Bei der Firma MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH geht schon aus dem Namen hervor, dass hier ein Interesse an solchen Daten bestehen könnte. In Berlin nehmen über 27.000 Schülerinnen und Schüler aus fast 100 allgemein bildenden Schulen an diesem Programm teil und die Menge an Daten und die Möglichkeiten der Auswertung sind enorm.

Wie können die Eltern erreichen, hier transparenter und umfassender informiert zu werden? Inwieweit sind sich solche Analysen privatwirtschaftlicher Unternehmen mit dem Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre überhaupt zulässig? Haben Unternehmen tatsächlich das Recht, solche Beurteilungen vorzunehmen oder gehört das nicht in den Hoheitsbereich der Schulen? Müssen Eltern hier widersprechen und die Löschung von Daten einfordern oder handelt es sich hier um ein rechtswidriges Vorgehen?

Ich werde Sie versuchen am Montag anzurufen und hoffe, dass auch Sie einige Informationen der SPI-Consult GmbH erhalten haben.

Mit freundlichen Grüßen

N. N.

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